Wir sind heute als Sozialrevolutionäre Offensive hier vor dem Uniklinikum Magdeburg um:
– gegen das Krankenhaussterben aufgrund kapitalistischer Profitlogik zu protestieren;
– uns mit den Beschäftigten zu solidarisieren, welche für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen;
– mit Menschen in Kontakt zu treten, welche dieses Problem auch sehen und mit ähnlichen Initiativen angefangen haben sich zu wehren, um uns mit diesen auszutauschen und zu vernetzen.
Die Thematik der heutigen Kundgebung ist nur ein Teil der Kampagne, mit welcher wir versuchen uns gegen die Abwälzung der kapitalistischen Krise durch Politiker und Lobbyisten auf uns ArbeiterInnen und Arbeitslose zu wehren. Dies ist die zweite Kundgebung vor einem Krankenhaus, denn die seit 2002 umgesetzte Agenda 2010 hat u.a. den Krankenhäusern eine profitorientierte Arbeitsweise auferlegt, welche den Eliten Reichtum verschafft und uns immer weiter wachsende Probleme in der Gesundheitsversorgung bringt. Viele labern, am meisten die Politiker und Journalisten, um einen sehr deutlichen Fakt zu verschleiern: Die Sparmaßnamen haben viele Leittragende, aber auch eine kleine Zahl an Profiteuren. Die Leittragenden sind wir, alle, die nicht mit Kohle geboren wurden, und unsere Familien, welche wir durch unsere Löhne finanzieren. Und die Profiteure, die die sich in ihren Familien Vermögen weitervererben, welches sie sich durch das auspressen unserer Klasse, Generation über Generation ergaunert haben. Wenn wir nicht vernünftig versorgt werden, riskieren wir unsere Gesundheit! Wenn sie nicht den letzten Cent aus uns herauspressen, dann können sie nicht in Saus und Braus leben. Wenn die da oben sagen es ist gut für Deutschland, meinen sie damit ihre Konten und nicht die Menschen, die in Deutschland leben. Das ist genau worum es geht bei Preissteigerungen, Teuerungen, Inflation, Krisen und Verschärfungen. Jedes Mal, wenn die Kosten und Probleme im kapitalistischen Krisenkreislauf steigen, werden diese auf uns ProletarierInnen abgewälzt und sichern damit den Status Quo dieser Gesellschaft. Also fließt die Kohle nach oben und die Scheiße nach unten, auf unsere Köpfe. Wir sind heute hier, um klar zu machen, dass es nicht sein kann, dass das Krankenhauspersonal so schlecht bezahlt wird, dass sie genötigt werden einen Job bei privaten Firmen zu suchen, weil diese besser bezahlen. Diese privaten Firmen vermitteln dann das selbe Personal teurer an die selben Krankenhäuser. Das Ergebnis von der Agenda 2010 und der damit eingeführten DRGs auf die Gesundheitsversorgung sehen wir in geschlossenen Krankenhäusern und überarbeitetem und unterbezahltem Personal. Dadurch wurden in den letzten 30 Jahren ein Viertel aller Krankenhäuser geschlossen, in der Pädiatrie sogar etwas mehr als ein Fünftel und über 50% der Kreißsäle wurden geschlossen. Und das obwohl sich die Beschäftigten von mehreren Standorten dagegen wehrten. Die Reduktion betraf dabei die öffentlichen und frei gemeinnützigen Träger, während die privaten Häuser ihre Kapazitäten immer weiter ausbauen können. Während der Corona Kriese, als das überbelastete Personal noch mehr Stemmen musste vorderten Politiker uns auf für das Medizinische Personal zu Klatschen während sie gleichzeitig die situation für diese Menschen verschlechterten. Auch die von Karl Lauterbach angekündigte Reform wird das, was sie eigentlich selbst kritisiert, weiter ausbauen. Denn neue Vergütungsmodelle wie die tagesstationäre Behandlung und Hybrid-DRGs bedeuten einen zusätzlichen Bürokratieaufwand, der das Krankenhauspersonal weiter belasten wird. Die Vergütung der Krankenhäuser soll an neu einzuführende Leistungsgruppen gekoppelt werden. Dazu schlägt die Kommission eine weitreichende Ambulantisierung der Versorgung vor Ort vor. Und das bedeutet weitere Krankenhausschließungen und großen Krankenhäuser, die sich auf wenige Standorte konzentrieren. Das Krankenhaussterben ist nicht auf Sachsen-Anhalt beschränkt, trifft aber auch unsere Region sehr hart. So ist z.B. die Zahl der Betten in der Kindermedizin zwischen 1991 und 2019 von 3.050 auf 1.236 gesunken, was ein Minus von 59,5% bedeutet. Am 1. Mai wurde die Kinderklinik in Zeitz geschlossen. Genau an dem Tag als die Polizei mit einem riesigen Aufgebot versuchte unsere 1. Mai-Proteste einzuschüchtern, wo gegen genau diese Probleme, wie Krankenhausschließungen, aber auch allgemein die Abwälzung von Inflation, Teuerung usw. auf uns protestiert wurde. Hier sehen wir wie Sparen und Knüppel sich ergänzen. Für Eltern und Kindern heißt diese Schließung, dass sie ins thüringische Gera, nach Weißenfels oder Naumburg fahren müssen. Mehr Belastung für alle, wegen den Profitgier der Herrschenden. Auch die Kinder-Intensivstation im Uniklinikum, vor dem wir gerade stehen, musste genau wie die Kinderstatio in Schönebeck wegen Ärztemangel geschlossen werden. Selbst der Leiter der Kinder- und Jugendkliniken und Chef der Kinderklinik am Städtischen Klinikum Magdeburg, Dr. Matthias Heiduk schlägt Alarm. Er sagte selbst: „Es drohen zunehmende Versorgungsengpässe, wenn weiter Kinder- und Jugendkliniken schließen“. Wenn wir nicht genügend Druck auf die Entscheidungsträger aufbauen, damit das Wohl der BürgerInnen in Deutschland über den Profiten der Reichen steht, wird es noch schlimmer werden. Wie schlimm es jetzt schon ist, sehen wir bei all den Menschen, die trotz akuter gesundheitlicher Probleme nicht behandelt werden können, von Krankenhäusern abgewiesen werden, keine Rettungswägen erreichen oder in weit entfernte Krankenhäuser gefahren (teilweise auch privat, ohne Krankenwagen) oder geflogen werden müssen. Wie viele Menschen werden darunter leiden, wenn in Deutschland nur noch ein paar zentralisierten Krankenhäuser existieren. Lasst uns keine Fragen, sondern Forderungen stellen. Die Entscheidungsträger werden von uns bezahlt und gewählt. Wenn die Interessen der Lobbyisten mehr wiegen als unsere, dann müssen wir sie spüren lassen, dass wir das nicht akzeptieren. Gesundheitsversorgung kann und darf kein Luxus sein!
